Bring keine echten, lebenden Menschen in die Handlung deiner Geschichte!

Die Autorin Ursula Le Guin hat neulich einmal ihrem Unmut Luft gemacht, dass Autoren in ihren Romanen immer wieder über lebende Menschen erzählen oder sogar in jüngster Zeit lebende Menschen in ihren Geschchten in tote Menschen verwandeln. Seltsam ist der Gedanke ja dann schon, wenn im Grunde die Biografie eines Menschen fantasievoll weitergeschrieben wird, der noch unter uns weilt und ein völlig anderes Leben führt, oder? Viele empfinden dieses Vorgehen sogar als eine Art Unverschämtheit, eine Art Kolonialisierung dieser Person durch den Autor. Ist das richtig? Ist das fair? Und will man das lesen? Macht man als Autor aus dem Roman dann nicht sogar so etwas wie eine Biographie? Der Schriftsteller A.S. Byatt dazu 2009 im The Guardian in einem Interview mit den Organisatoren des Booker-Preises: „Das fühlt sich an, wie die Aneignung des Lebens und der Privatsphäre anderer Menschen – es ist eine Art Angriff auf sie.“ Und die Auswirkungen können tödlich sein: „Ich kenne mindestens einen Selbstmord und einen Selbstmordversuch, der dadurch verursacht wurde, dass lebendige, echte Menschen in Romane verwickelt wurden. Ich kenne Schriftsteller, denen ich deshalb keine persönlichen Dinge erzähle – was schwierig ist, da ausgerechnet diese Autoren immer am meisten daran interessiert sind, was man zu erzählen hat“, sagte Byatt. Klingt drastisch, aber ehrlicherweise können auch Leser damit nur schwer umgehen. Unsere Empfehlung: Lasst es besser!

Kommentar hinterlassen